Shell Telefon Umfrage in Rodenkirchen

Shell Telefon Umfrage in Rodenkirchen

Shell Blitz-Umfrage nach Störfall in Köln-Rodenkirchen

Shell Raffinerie in Köln-Godorf
Shell in Köln Godorf
Nur wenige Tage nach der Explosion bei der Shell in Köln-Godorf versucht das Unternehmen in einer Blitz Telefon-Umfrage das Image bei seinen Nachbarn zu ermitteln.

Gestern Nachmittag klingelt bei mir das Telefon und ich werde zu einer Meinungsumfrage aufgefordert. Das ist eher nervig und meistens sind es Trickanrufe, die mich zur Herausgabe meiner Kontaktdaten (Telefonnummer, Email) locken sollen. Der Anruf kam aus Rotterdam (in diesem Fall nicht unbedingt Vertrauen erweckend). Doch dann erfuhr ich den Inhalt der Umfrage und wurde hellhörig. Die Shell will ihr Image bei der Bevölkerung in der Nähe Ihrer Raffinerie in Köln-Godorf ermitteln.

So weit, so gut. War da nicht ein Störfall bei der Shell Raffinerie vergangene Woche? Ein großer, mit dicker Rauchsäule, Sirenenalarm und Explosion? Und das nachdem erst 2012 dort große Mengen Kerosin ins Erdreich gesickert waren? Die Hiobsbotschaften dieser großen und wichtigen Raffinerie verunsichern die Bevölkerung und Shell wollte es jetzt genau wissen.

Explosion im Januar 2014

Am Nachmittag des 09.01.2014 heulten in Rodenkirchen, Godorf und weiteren Gemeinden rund um die Rheinland Raffinerie von Shell Deutschland Oil in Köln-Godorf. Ein Tank mit Toluol (Nebenprodukt bei der Erdöl Raffinade) war in Brand geraten. Die dabei entstandene schwarze Rauchwolke war bis in die Eifel zu sehen und beunruhigte die Anwohner weiter. Werksfeuerwehr, Feuerwehr und Polizei hatten das Unglück bald unter Kontrolle und zum Glück kam es zu keiner Gesundheitsbelästigung der Nachbarn. Der Störfall im Detail beim KSTA: Toluol Tank explodiert

Telefonumfrage zum Image der Shell in Rodenkirchen

Und jetzt die Umfrage der Shell zu Ihrem Image in Rodenkirchen. Gefragt wurde nach der eigenen Ansicht über Betriebssicherheit (schlecht), Informationsmanagement (schlecht), Arbeitgeber (gut), Ausbildungsplätze (gut), Anteil der lokalen Bevölkerung an den Mitarbeitern (unbekannt), soziales und lokales Engagement (unbekannt). Dann sollte Shell mit den anderen Branchengrößen bei ein paar Eckwerten verglichen werden. Doch wo ist da ein Unterschied zu erkennen.

Ich sehe die Telefonumfrage sehr positiv. Shell hat Mist gebaut und bietet jetzt den Bürgen in der Nähe dem Unternehmen die Meinung zu sagen. Es sei zu hoffen, dass die Botschaft bei Shell auch ankommt. Die Umfrage war zwar deutlich zu lang, wie meistens, und hätte viel einfacher strukturiert werden können, aber dennoch ist es positiv zu werten, wenn man so kurz nach einem Störfall um seine Meinung gebeten wird.

Reaktion der Bürger und Verantwortlichen in Rodenkirchen

Interessant ist am Rande des Störfalls der Umgang der Bevölkerung und der Verantwortlichen mit dem Störfall und seiner Warnung. Gegen 1500h heulten in Rodenkirchen die (ehemaligen) Luftschutzsirenen. Dann gilt, Fenster und Türen schließen, die Wohnung nicht verlassen und das Radio einschalten. Durch das geschlossene Fenster war dann zu beobachten, dass im Zentrum von Rodenkirchen, keine 3km vom Unglücksfall entfernt, kein Mensch Schutzmaßnahmen ergriff. Der Fußgänger-, Radfahrer und Autoverkehr lief ungestört und ununterbrochen. Und im Radio dudelte das Übliche, keine Warnung, keine Durchsage.
Noch schlimmer was es in den verschiedenen Betreuungs- und Ausbildungseinrichtungen, von denen es in Rodenkirchen eine Vielzahl gibt. Hier wurden die Fenster und Türen geschlossen und die zu Betreuenden einfach so zu Fuß oder mit ÖPV nach Hause geschickt! Wo sind die Pläne der Verantwortlichen, wie mit einem solchen Störfall umzugehen ist?

Was wenn das ein bedrohlicher Störfall gewesen wäre? Was wenn das eine Giftgaswolke gewesen wäre? Wozu haben wir die Sirenen, wenn keiner sich daran hält!
Japan hat es da besser. Dort gibt es immer wieder zivile Schutzübungen, hauptsächlich wegen der Erdbeben. Auf für Deutschland sollte man solche Übungen in’s Auge fassen. Das muss nicht flächendeckend sein, sondern den örtlichen möglichen Gefahren entsprechen.

Betrachten wir den Störfall der vergangenen Woche als Übung. Freuen wir uns, dass alles gut gegangen ist (s. Kölsches Grundgesetz). Und lernen wir aus diesen Erfahrungen, was wir persönlich besser machen können.

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